Es gibt Momente, in denen man spürt, dass etwas Bedeutsames beginnt. Der Kick-off von DatenWerKIOS in Köln war so ein Moment. Ein Raum voller Menschen, die alle dasselbe wollen: den deutschen Mittelstand fit machen für eine datengetriebene Energiewende – mit KI als Schlüsseltechnologie und echtem Praxisbezug als Maßstab.
Wir waren dabei. Und wir sind begeistert.
Kurzer Einschub vorab: Wir suchen Pilot-Unternehmen, die am Projekt teilnehmen möchten. Mehr Infos weiter unten.
1. Die Ausgangslage: Eine Datenbasis, die kaum jemand nutzt
Deutschland befindet sich mitten im Smart-Meter-Rollout. Millionen von intelligenten Messgeräten werden in den kommenden Jahren installiert – in Haushalten, Gewerbegebäuden, Industrieanlagen. Sie liefern granulare Verbrauchsdaten in bisher ungekannter Auflösung: stündlich, viertelstündlich, in Echtzeit.
Das klingt nach einer Revolution. Und das ist es auch – zumindest theoretisch.
Denn in der Praxis sieht es anders aus: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schöpfen dieses Potenzial kaum aus. Nicht weil sie kein Interesse hätten, sondern weil der Zugang zu den Daten komplex ist, die Analyse-Werkzeuge fehlen und das nötige Know-how oft nicht vorhanden ist. Die Daten fließen – aber sie versickern, anstatt Wert zu schaffen.
Genau hier setzt DatenWerKIOS an.
2. Das Projekt: Ein offenes Smart-Energy-Datenökosystem für KMU
DatenWerKIOS – gefördert im BMBF-Programm „Zukunft der Wertschöpfung“ im Rahmen von DigiNutzenDat – hat ein klares Ziel: ein offenes, KI-gestütztes Datenökosystem zu schaffen, das KMU praxisnah den Zugang zu Energiedaten und datenbasierter Wertschöpfung ermöglicht.
Projektlaufzeit: 01. Januar 2026 bis 31. Dezember 2028
Drei Jahre, in denen wir gemeinsam mit einem starken Konsortium eine Plattform entwickeln, erproben und skalieren – von der technischen Infrastruktur bis zur rechtlichen Absicherung, von der Nutzerforschung bis zur politischen Kommunikation.
3. Das Konsortium: Interdisziplinär, erfahren, engagiert
Was DatenWerKIOS besonders macht, ist die Breite und Tiefe des Konsortiums. Hier arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis Hand in Hand:
Universität Siegen (USI-INT & USI-BR): Sozialwissenschaftliche Nutzerforschung und Innovationsmanagement
TH Köln – CIRE: Energiewirtschaftliche Expertise und technische Systemarchitektur
Wuppertal Institut: Nachhaltigkeitsforschung und Transformationswissen
regionalwerke GmbH & Co. KG: Praxispartner aus der Energiewirtschaft
Team energie: Umsetzungserfahrung im KMU-Umfeld (Assoziierter Partner)
Stadt Langenfeld (assoziiert): Kommunale Perspektive und Pilotregion (Assoziierter Partner*innen)
Und mittendrin: RAUSCH Technology – mit unserer KI-Expertise als technologischer Treiber des Projekts.
4. Unsere Rolle: KI-Analyse-Engine und Cluster-Intelligenz
Wir bei RAUSCH Technology bringen das mit, was DatenWerKIOS technologisch zum Leben erweckt: KI-Kompetenz, die über Buzzwords hinausgeht.
Konkret entwickeln wir:
1. Eine KI-Analyse-Engine im Multi-Agenten-Ansatz
Statt einer monolithischen KI-Lösung setzen wir auf ein System aus spezialisierten Agenten, die arbeitsteilig zusammenwirken. Ein Agent analysiert Lastgangmuster, ein anderer erkennt Anomalien, ein dritter kommuniziert die Ergebnisse verständlich – per Chatbot-Interaktion, direkt im Tool. So wird KI nicht zur Black Box, sondern zum transparenten Werkzeug.
2. Cluster-Analysen für vergleichbare KMU
Benchmarking funktioniert nur, wenn man die richtigen Vergleichsgruppen bildet. Wir entwickeln Methoden, um KMU anhand ihrer Energieverbrauchsprofile, Branchenzugehörigkeit und Betriebscharakteristika sinnvoll zu clustern. Das Ergebnis: Unternehmen sehen nicht nur ihren eigenen Verbrauch – sie verstehen, wo sie im Vergleich stehen und wo die größten Hebel liegen.
3. Modellvalidierung an realen Datenpools
Theorie ist gut, Praxis ist besser. Unsere Modelle werden an echten Datenpools validiert – gemeinsam mit Pilot-KMU, die ihre Daten in die Plattform einbringen. So stellen wir sicher, dass unsere KI-Lösungen nicht im Labor funktionieren, sondern im Alltag.
5. Die Plattform: Mehr als ein Tool – ein Ökosystem
DatenWerKIOS ist kein klassisches Softwareprojekt. Es ist der Aufbau eines Datenökosystems – mit allem, was dazugehört:
Technisches Onboarding und Submetering
Der erste Schritt ist oft der schwerste: Wie kommen die Daten überhaupt in die Plattform? Wir entwickeln einfache Onboarding-Prozesse und Submetering-Lösungen, die auch für KMU ohne eigene IT-Abteilung handhabbar sind.
KI-gestützte Analyse-Werkzeuge
Von der Lastgangprognose über die Anomalieerkennung bis zur Lastspitzenreduktion: Die Plattform stellt Use-Cases bereit, die sofort Mehrwert liefern. Kein Data-Science-Studium erforderlich – die Tools sind so gestaltet, dass Fachkräfte ohne technischen Hintergrund damit arbeiten können.
Community-Plattform und Datenallianzen
Daten sind wertvoller, wenn man sie teilt – aber nur unter den richtigen Bedingungen. DatenWerKIOS ermöglicht die Bildung von Datenallianzen: offen, teiloffen oder geschlossen, je nach Vertrauen und Geschäftsmodell. So entsteht eine Community, in der KMU voneinander lernen und gemeinsam profitieren.
Energy-Sharing als Zukunftsvision
Einer der spannendsten Use-Cases: Energy-Sharing – also die gemeinschaftliche Nutzung lokal erzeugter Energie. Mit den richtigen Daten und KI-gestützter Koordination können KMU Energie untereinander handeln, Lastspitzen glätten und Kosten senken. DatenWerKIOS legt dafür die Grundlage.
6. Der rechtliche Rahmen: Kein Datenprojekt ohne Rechtssicherheit
Wer mit Energiedaten arbeitet, bewegt sich in einem komplexen Rechtsraum. DatenWerKIOS nimmt das ernst – und begleitet das Projekt von Anfang an rechtlich:
Data Act: Neue Regeln für den Datenzugang und die Datennutzung in der EU
KI-Verordnung (AI Act): Anforderungen an transparente und vertrauenswürdige KI-Systeme
DSGVO: Datenschutz als Grundprinzip, nicht als Nachgedanke
Diese rechtliche Begleitung ist kein Bremsklotz – sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Plattform langfristig Vertrauen genießt und skaliert.
7. UX und Data Literacy: Technologie, die Menschen mitnimmt
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Praxis: Die beste Technologie nützt nichts, wenn die Menschen, die sie nutzen sollen, nicht mitgenommen werden.
Deshalb legt DatenWerKIOS einen besonderen Schwerpunkt auf UX/Experience-Design und Data Literacy. Nutzerzentrierte Tools, verständliche Visualisierungen, intuitive Interaktion – das sind keine Nice-to-haves, sondern Kernbestandteile des Projekts. Die Universität Siegen bringt hier sozialwissenschaftliche Nutzerforschung ein, die sicherstellt, dass wir die echten Bedürfnisse der KMU verstehen – und nicht nur die, die wir uns vorstellen.
8. Der Kick-off in Köln: Energie, die man spürt
Wir waren dabei, als DatenWerKIOS offiziell startete – und wir können sagen: Die Energie im Raum war spürbar. Konstruktive Diskussionen über Praxisanforderungen, ehrliche Auseinandersetzungen mit rechtlichen Hürden, und überall das gemeinsame Ziel: etwas Greifbares für den Mittelstand zu schaffen.
Was uns besonders beeindruckt hat: die Kombination aus praxisnaher Plattformentwicklung, sozialwissenschaftlicher Nutzerforschung und fundierter Rechtsprüfung. Diese drei Dimensionen zusammenzudenken – das ist selten. Und genau das macht DatenWerKIOS relevant für die Energiewende im Mittelstand.
Pilot-Unternehmen gesucht
Einen Info-Flyer zur Teilnahme gibt es hier.
9. Warum das alles wichtig ist – jetzt
Die Energiewende ist keine abstrakte Zukunftsvision. Sie findet gerade statt – in Netzen, in Gebäuden, in Unternehmen. Und sie stellt KMU vor reale Herausforderungen: steigende Energiekosten, volatile Preise, regulatorische Anforderungen, der Druck zur Dekarbonisierung.
Gleichzeitig entsteht durch den Smart-Meter-Rollout eine Datenbasis, die bisher undenkbare Möglichkeiten eröffnet. Die Frage ist nicht ob diese Daten genutzt werden – sondern von wem und für wen.
DatenWerKIOS gibt eine klare Antwort: für KMU, von einem Konsortium, das ihre Realität kennt.
10. Ausblick: Drei Jahre, die zählen
Bis Ende 2028 wollen wir zeigen, dass ein offenes Smart-Energy-Datenökosystem für KMU nicht nur möglich ist – sondern funktioniert, skaliert und echten Mehrwert schafft. Die Ergebnisse werden wissenschaftlich aufbereitet, in Policy Briefs kommuniziert und in einem Kurzfilm dokumentiert.
Wir sind am Anfang eines langen Weges. Aber der Anfang war gut.
Auf die kommenden drei Jahre. Auf DatenWerKIOS.
Dieses Projekt wird gefördert durch das BMFTR, Fördernummer 02K25A012.